Die Äschen in Schondra und Saale

Gedanken zum Thema "genetische Nähe"

Beim Thema Besatz gelten zwei Grundregeln: Die Fische sollten so jung wie möglich sein, der Besatz sollte möglichst aus dem gleichen Gewässer stammen. Regel zwei ist nicht einzuhalten, wenn die Population der Elterntiere zusammengeborchen ist. Dies geschah im Jahr 1974 an der Schondra. Die Äschen waren von der UDN (ulcerierende Dermalnekrose) befallen und starben in Massen. Auf den Schuppen bildet sich eine Art weißer Pilz, der sich über den gesamten Körper der Tiere erstreckt. Oft tritt die Erkrankung nach dem Laichgeschäft auf, also dann, wenn die Tiere ohnehin geschwächt sind und nicht selten äußere Verletzungen vom Schlagen der Laichgruben davongetragen haben. Hinzu kam, das um diese Zeit eine Gasleitung verlegt wurde, welche die Schondra querte. Ergebnis war, dass es über längere Zeiträume Verschmutzungen gab. Kurz: unsere Äschenpopulation war nehezu erloschen.
Um diese Zeit gab es in Deutschland kaum Möglichkeiten, Äschen zu erbrüten. Bekannt als erfolgreicher Züchter war uns der Fischzuchtbetrieb Köttl an der Vöckla in Österreich.
Es blieb kein anderer Weg, um die Schondra als Äschengewässer neu zu beleben, als ein Import aus Österreich. Äußeres Kennzeichen der "Österreicher" war eine deutliche Goldfärbung am Bauch, (die Schondra-Äschen haben weiße Bäuche). Nach unseren Beobachtungen über viele Jahre hat sich eine bekannte genetische Regel bestätigt: Die Restpopulation des ursprünglichen Schondrastammes hat sich genetisch durchgesetzt, heute sind unsere Äschen in Form und Farbe eindeutig dem Schondra-Stamm zuzuordnen.


Und die Äschen in der Saale? Selbst im Unterlauf - längst in der Barben-Region - gab es bis etwa 1980 bei Schonderfeld/Wolfsmünster einen ausgezeichneten Bestand. Dies hat einen Wiesbadener Fliegenfischer bewogen, einige Anteile an einem Fischereirechte zu erwerben. Seine Hoffnung, dort eine reine Fliegenfischerstrecke zu etablieren, hat sich zerschlagen. Mit dem Einbruch einer größeren Zahl von Kormoranen war der Bestand nach nur einem Winter deutlich reduziert und nach einem "Zweitbesuch" der Vögel nahezu ausgelöscht.